Bodenplatte & Fertigkeller

Die Frage, ob ein Haus auf einer Bodenplatte oder einem Keller errichtet wird, ist eine Entscheidung über die zukünftige Nutzung, den Wiederverkaufswert und die technische Machbarkeit auf Ihrem Grundstück.  

Während die Bodenplatte die wirtschaftlichste Lösung darstellt, bietet ein Keller wertvolle Nutzfläche oder sogar zusätzlichen Wohnraum, ohne die Grundfläche des Gartens zu beanspruchen.

 

Die Vorarbeiten: Planung Sicherheit Baugrund:

Ein Grundstück mag oberflächlich perfekt erscheinen, doch die wahren Herausforderungen verbergen sich in der Topografie und tief unter der Grasnarbe. 

Wer hier spart, riskiert teure Nachträge im Erdbau oder schlimmstenfalls Setzungsrisiken am Gebäude.

Die Geländeaufnahme: Das Grundstück in 3D

 Ein Vermesser führt eine Geländeaufnahme mit einem Tachymeter durch, um Höhenpunkte für die Bauplanung festzulegen

Um die Höhensituation genau einschätzen und die Kalkulation belastbar erstellen zu können, ist es Ratsam, schon vor Planungsbeginn eine Geländeaufnahme erstellen zu lassen.

Schon für den Bauantrag werden diese Daten benötig.

Dort werden folgende Daten erfasst:

Höhenpunkte: Wie stark ist das Gefälle? Davon hängt ab, wie viel Erde bewegt werden muss und ob eine Stützmauer oder eine Abböschung nötig ist.

 

Fixpunkte: Wo liegen die Kanalanschlüsse und Grenzsteine? Diese Daten fließen auch in die Eingabe- und die spätere Werkplanung ein.

Bestand: Gibt es Bäume, Leitungen oder Nachbarbebauungen, die Abstandsflächen oder die Kranstellfläche beeinflussen?

Vermessungsbüros vor Ort:

Gerne nenne ich Ihnen unsere regionalen Partnerfirmen, die Sie direkt beauftragen können.

Das Bodengutachten: Die "Versicherung" für Ihr Fundament

Ingenieurgeologische Bodenprobenentnahme mittels Kleinrammbohrung zur Erstellung eines Bodengutachtens auf einem Baugrundstück. Wichtige vorbereitende Maßnahmen zur Sicherung der Statik und Kalkulation der Erdarbeiten für ein Fertighaus in Bayern.

Das Baugrundgutachten (geotechnischer Bericht) ist für jeden Bauherren Pflicht. Es klärt die Fragen bezüglich:

  • Tragfähigkeit: Der Gutachter ermittelt, wie tief die Bodenplatte oder die Frostschürzen gegründet werden müssen, damit das Haus nicht "absinkt".

  • Wasserverhältnisse: Gibt es drückendes Grundwasser oder Schichtenwasser? Dies entscheidet darüber, ob eine einfache Abdichtung reicht oder eine "Weiße Wanne" (wasserundurchlässiger Keller) nötig ist.

  • Versickerung: Kann Regenwasser auf dem Grundstück versickern oder muss ein teures Retentionsbecken geplant werden?

 

Warum die "Spatenprobe" ein gefährlicher Mythos ist

Viele Bauherren glauben, die Erfahrung des Nachbarn reiche aus. Doch Bodenformationen können sich innerhalb weniger Meter massiv ändern.

Profi-Tipp: Das Bodengutachten ist die Basis für die Kalkulation des Tiefbauers. Ohne Gutachten sind "Festpreise" im Erdbau oft nichts wert, da unvorhergesehene Bodenklassen (z. B. Fels oder Schwemmsand) die Kosten explodieren lassen können.

Das Schnurgerüst: 

Baustellendokumentation eines Schnurgerüsts zur exakten Einmessung der Fundamente sowie die Verlegung von druckfester XPS-Perimeterdämmung unter einer Bodenplatte.

Bevor der Bagger anrückt, muss die exakte Position des Hauses festgelegt werden.

  • Das Schnurgerüst: Die Holzlatten für die Schnüre werden vom Bodenplattenbauer aufgebaut.
  • Grobabsteckung: Dabei markiert der Geometer die Gebäudeecken für den Tiefbauer, damit dieser am richtigen Ort baggert.

  • "Feinabesteckung" oder "Schurgerüst einschneiden": Der Vermessungsingenieur fixiert nach den Erdarbeiten die Außenkanten und die Achsen Ihres Hauses mittels der Schüre auf dem Schnurgerüst. 

  • Amtliche Abnahme: In manchen Regionen muss die Lage des Schnurgerüsts durch einen Vermesser bestätigt werden. Dies ist Ihre rechtliche Absicherung, dass das Haus genau dort steht, wo es genehmigt wurde.

Der Unterbau: Gemacht, um schwere Lasten zu tragen 

Das Bild zeigt die handwerkliche Präzision bei der Vorbereitung des Unterbaus für ein Effizienzhaus. Wichtige Informationen für Bauherren zur Baugeometrie, Thermohülle und Vermeidung von Wärmebrücken im Fundamentbereich.

Bevor der erste Beton für die Bodenplatte fließt, muss der Untergrund perfekt vorbereitet sein. Der Unterbau erfüllt entscheidende bauphysikalische und statische Aufgaben, die man nach der Fertigstellung nicht mehr korrigieren kann. 

Die kapillarbrechende Schicht: Schutz vor aufsteigender Nässe

Wir verwenden für den Unterbau eine zertifizierte Gesteinskörnung. Diese Schicht unterbricht die Kapillarwirkung des Bodens. 

So wird verhindert, dass Bodenfeuchtigkeit wie in einem Schwamm nach oben gesaugt wird und die Bodenplatte erreicht. Dies ist der erste und wichtigste Schritt für ein dauerhaft trockenes Haus.

Die Sauberkeitsschicht: Präzision für den Korrosionsschutz

Die Sauberkeitsschicht (meist aus Magerbeton oder einer speziellen Folienkonstruktion) erfüllt eine zentrale Sicherheitsfunktion:

  • Fixierung der Bewehrung: Sie stellt sicher, dass die Stahlmatten während des Betonierens exakt an ihrer Position bleiben.

  • Betonüberdeckung: Nur auf einer sauberen, ebenen Fläche kann die vorgeschriebene Betonüberdeckung eingehalten werden. Diese Schicht aus Beton über dem Stahl ist zwingend erforderlich, um den Bewehrungsstahl vor Korrosion (Rost) zu schützen und die Statik über Jahrzehnte zu sichern.

Herausforderung Hanglage

Ein abschüssiges Gelände bedeutet in der Gründungsphase immer einen erhöhten konstruktiven Mehraufwand. Durch das Gefälle muss deutlich mehr Material für den Unterbau eingebracht und verdichtet werden, um eine ebene und tragfähige Plattform zu schaffen. 

Die frostfrie Gründung

Technische Querschnittszeichnung einer Fundamentgründung mit Bodenplatte, Frostschürze und Perimeterdämmung für ein energieeffizientes Wohnhaus.
Technische Darstellung der Gründungsphase für ein Fertighaus zur Vermeidung von Setzungsrissen und zur Sicherstellung der statischen Tragfähigkeit im Wohnungsbau.

Warum 80 Zentimeter die magische Grenze sind

Wasser hat die besondere Eigenschaft, sich beim Gefrieren auszudehnen (Anomalie des Wassers). Befindet sich feuchtes Erdreich direkt unter Ihrem Fundament und gefriert dieses bei anhaltenden Minusgraden, entstehen enorme Hebungskräfte.

  • Die Frosttiefe: In Deutschland gilt eine Tiefe von mindestens 80 cm unter der Geländeoberkante als sicher vor Frost (in Gebirgsregionen oft sogar bis zu 120 cm).

  • Die Gefahr ohne Frostschürze: Wenn Wasser unter der Bodenplatte gefriert, hebt es das gesamte Bauteil an - oft ungleichmäßig. Sobald es taut, sackt die Platte unkontrolliert ab. Das Ergebnis sind irreparable Setzungsrisse, die sich quer durch die Hausfassade und das Mauerwerk ziehen können.

Die technische Umsetzung: Frostschürze oder Frostschirm?

Es gibt verschiedene Wege, diesen Schutz bautechnisch zu gewährleisten:

  1. Die klassische Frostschürze (wie auf den Bildern hier dargestellt): Unter den tragenden Außenwänden wird ein Graben ausgehoben, der mindestens 80 cm tief ist und mit Beton verfüllt wird. Dieser leitet die Lasten in tiefere, frostgeschützte Erdschichten ab.

  2. Der Frostschirm: Bei modernen, hochgedämmten Bodenplatten kann alternativ ein horizontaler Dämmschirm um das Haus herum verlegt werden. Dies verhindert, dass der Frost seitlich unter die Platte wandert, und spart unter Umständen massiven Betoneinsatz.

Statik & Bewehrung: Berechnung vs. Schätzung

Illustration der Abhängigkeit zwischen der Stahlmenge, den individuellen Hauslasten und den Ergebnissen des geotechnischen Bodengutachtens zur Vermeidung von Setzungsrissen. Dokumentation der Bewehrungsabnahme durch einen Bauingenieur

Die Standsicherheit Ihres Hauses steht und fällt mit der statischen Berechnung der Bodenplatte. 

Dabei ist der verbaute Baustahl (die Bewehrung) das entscheidende Element, um Zugkräfte aufzunehmen und Risse im Beton zu verhindern. 

Die exakte Stahlmenge ist jedoch keine Pauschalgröße – sie wird individuell auf Basis der spezifischen Hauslasten und der tatsächlichen Bodenbeschaffenheit ermittelt.

Die Gefahr pauschaler Annahmen

Häufig liegt zu Beginn der Angebotsphase noch kein Bodengutachten vor. In diesem Fall müssen Firmen zur Kalkulation eine geschätzte Baustahlmenge annehmen.

Das Problem: Diese Annahmen orientieren sich oft an Idealwerten.

Und diese liegen meist deutlich niedriger als das, was der Statiker später aufgrund der realen Bodenverhältnisse (z. B. geringe Tragfähigkeit oder Setzungsempfindlichkeit) vorschreibt.

Die Folge: Sobald die finale Statik vorliegt, kommt es unweigerlich zu Nachforderungen.

Mein Rat als Ingenieur

Um unliebsame Überraschungen bei den Baukosten zu vermeiden, sollte ein geotechnischer Bericht (Bodengutachten) immer der erste Schritt sein. Nur auf dieser gesicherten Datenbasis kann eine verlässliche Bewehrungsplanung erstellt werden, die Ihnen Kostensicherheit garantiert und die strukturelle Integrität Ihres Hauses dauerhaft sichert.

Thermische Trennung: Das Haus auf festem (Dämm-)Grund

Die Darstellung zeigt die thermische Trennung zum Erdreich und die Platzierung der Dämmschicht unter der bewehrten Betonplatte zur Nutzung der thermischen Speichermasse.

Dämmung Bodenplatte Lastabtragung

In Zeiten von KfW-Effizienzhäusern ist die thermische Trennung zum Erdreich unverzichtbar geworden. 

Diese Perimeterdämmung unter der Gründungsplatte ist der Schlüssel zur Vermeidung der größten Wärmebrücke im Erdreich.

Die statische Herausforderung:

Da das gesamte Gewicht des Gebäudes - inklusive Schneelast und Einrichtung - auf der Dämmung lastet, darf hier kein Standardmaterial verwendet werden.

Wir setzen auf Materialien mit extrem hoher Druckspannung:

  • XPS (Extrudierter Polystyrol-Hartschaum): Spezielle Platten mit hoher Dichte, die dauerhaft resistent gegen Feuchtigkeit und Verrottung sind.

  • Schaumglas-Schotter: Ein ökologisches Recyclingmaterial, das gleichzeitig dämmt, kapillarbrechend wirkt und eine extrem hohe Tragfähigkeit aufweist.

Kontrolle der fertig gegossenen Bodenplatte.

Querschnitt und technische Detailzeichnung einer gedämmten Bodenplatte für ein KfW-Effizienzhaus mit tragender Perimeterdämmung aus hochdruckfestem XPS-Hartschaum

Vor der Hausmontage wird die fertige Bodenplatte nochmal genau vermessen: Es wird geprüft, ob die Maße stimmen, die Toleranzen in der Ebenheit eingehalten werden und ob die Lage der Entwässerungsleitungen korrekt eingemessen wurde.

 

Damit wird sichergestellt, dass während der Hausmontage keine Unstimmigkeiten auftreten, die den Bauablauf behindern und teure Stillstandszeiten verursachen würden.

Sorgfältig ausgeführter Sockelbereich: Ein oft unterschätztes Detail

Gegenüberstellung von drei technischen Varianten der Sockelabdichtung beim Fertighaus auf Bodenplatte: Rücksprung mit Tropfkante, flächenbündiger Sockelanschluss und barrierefreie Schwellenausbildung mit Entwässerungsrinne

Ein korrekt ausgeführter Sockelbereich ist ein essenzieller Bestandteil eines jeden Bauprojekts. Gerne wird dieser Punkt "übersehen" oder auf später verschoben:

Es sollte konkret geklärt und darüber gesprochen werden, dass der Sockelbereich fertigstellt werden muss und dass dafür Kosten anfallen.

Es gibt dafür verschieden Maßnahmen  nach DIN 18533. 

 

 

Wir führen ausschließlich die sicherste Variante mit vertikaler Abdichtung aus.

Die umlaufende Dichtung muß dabei korrekt angeklebt und die Dämmplatten an der Stirnseite der Bodenplatte angebracht werden.

Dann wird der Sockel entsprechend verputzt oder anderweitig verkleidet, dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten.

Was kostet ein Keller?

Fertigkeller mit Aussendämmung. Fachmännische Beratung zur Gründungswahl für Bauherren, die zwischen Kosteneffizienz und zusätzlichem Wohnraum im Untergeschoss abwägen möchten.

Da ist leider keine pauschale Antwort möglich. Die Kosten für einen Keller hängen von verschiedenen Faktoren ab, die bei der Planung und Umsetzung berücksichtigt werden müssen. Einer der entscheidenden Punkte ist die Lage des Grundstücks: Befindet sich das Grundstück an einem Hang, können zusätzliche Maßnahmen wie aufwendige Stützkonstruktionen oder Drainagesysteme erforderlich sein, was die Kosten erhöht. Ebenso spielen die Grundwasserverhältnisse eine Rolle: 

Liegt das Grundstück in einem Gebiet mit hohem Grundwasserstand, sind spezielle Abdichtungen erforderlich, um den Keller vor Feuchtigkeit zu schützen. Dabei wir in verschiedene Lastfälle unterschieden, jeder davon erfordert spezielle Dichtmaßnahmen. Zudem beeinflusst die Nutzungsart des Kellers die Baukosten erheblich: Ein Wohnraumkeller erfordert beispielsweise eine wesentlich hochwertigere Ausführung als ein reiner Lagerkeller.

Die 3 Lastfälle im Kellerbau: Wie dicht muss es sein?

Bauphase eines WU-Betonkellers (Weiße Wanne) mit installierten Fugenblechen und einer fachgerechten Perimeterdämmung im Landkreis Landshut. Das Bild zeigt die Abdichtung der Lichtschächte und den kritischen Sockelanschluss für das spätere Fertighaus.

Lastfälle Keller Abdichtung

Nicht jeder Keller muss gegen den gleichen Wasserdruck bestehen. Die DIN 18533 unterscheidet verschiedene Einwirkungen durch Feuchtigkeit, die wir als „Lastfälle“ bezeichnen. Welcher Lastfall bei Ihnen vorliegt, entscheidet das Bodengutachten.

1. Lastfall: Bodenfeuchte und nichtstauendes Sickerwasser

Dies ist der „Idealfall“. Ihr Grundstück hat einen sehr durchlässigen Boden (z. B. Sand oder Kies). Regenwasser versickert sofort und baut keinen Druck auf die Kellerwände auf.

  • Die Lösung: Eine einfache Abdichtung (z. B. eine Bitumendickbeschichtung oder eine KMB-Beschichtung) reicht meist aus, um die kapillare Feuchtigkeit fernzuhalten.

2. Lastfall: Aufstauendes Sickerwasser

Haben Sie lehmigen oder tonhaltigen Boden? Hier kann Wasser nicht schnell genug abfließen und staut sich zeitweise an der Kellerwand auf (Aufstau).

 

Das Wasser übt nun einen hydrostatischen Druck auf die Konstruktion aus.

  • Die Lösung: Hier ist eine Drainage zwingend erforderlich oder der Keller muss bereits als wasserundurchlässiges System (Weiße Wanne) geplant werden.

3. Lastfall: Drückendes Grundwasser

Dies ist die höchste Beanspruchungsstufe. Der Keller steht permanent oder zeitweise im Grundwasser. Das Wasser drückt von allen Seiten und von unten gegen das Gebäude - vergleichbar mit einem Schiff im Wasser.

  • Die Lösung: Hier gibt es keine Kompromisse. Eine Weiße Wanne (WU-Beton) ist hier der Standard. Die gesamte Statik muss so berechnet sein, dass das Haus durch den Auftrieb des Wassers nicht "aufschwimmt".

  • Vorteil: Eine Weiße Wanne ist extrem langlebig und weniger anfällig für Beschädigungen während der Bauphase (z. B. beim Verfüllen der Baugrube).

Experten-Rat: Verlassen Sie sich nicht auf Aussagen wie "Hier war es immer trocken". Nur ein qualifiziertes Bodengutachten gibt Ihnen die rechtliche Sicherheit für die Wahl von Gründung und Abdichtung.